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Schicksalsschlag
Weihnachten kann gelingen
23. Dezember 2020

Selten sind wir mit solch gemischten Gefühlen in die Weihnachtstage gegangen wie in diesem Jahr. Im ersten Corona-Lockdown im Frühling waren dem Umstand, stets nur mit dem engsten Familien- oder Partnerkreis zusammensein zu können, durchaus noch positive Seiten abzugewinnen. Eine gewisse Entschleunigung in der Alltagshektik war überfällig, meinten diejenigen, die frei von plötzlichen Existenzsorgen und nicht krank waren.

Aber jetzt werden wir unsicher. Kriegen wir es noch einmal hin, gerade an Weihnachten? Oder nutzen wir an den Festtagen besser alles aus, was irgendwie noch erlaubt ist? Wir haben ein wenig Angst vor uns selbst. Die Unsicherheit wird genährt von einer vermeintlich fehlenden Perspektive. "Jetzt gilt es, eine Zeit lang durchzuhalten. In ein paar Wochen ist alles wieder normal." Solche Sätze wie damals im März und April kommen kaum mehr einem über die Lippen. Da hilft es auch nicht, dass inzwischen Impfstoffe gefunden und zugelassen wurden, dass die ersten Bevölkerungsgruppen in wenigen Tagen die Impfung erhalten.

Eine Pandemie ist ein Schicksalsschlag
Wir hadern zunehmend mit der Situation, weil wir nichts tun können, außer möglichst vorsichtig zu sein und zu warten. Ein Stück weit ist die Gestaltungshoheit über unser Leben verloren gegangen. Obwohl wir wissen, dass es ohnehin keine Alternative gibt, sind wir unzufrieden, unausgeglichen, grantig. Das, was wir am meisten bräuchten, ist verschwunden: Geduld. Wie soll da ein besinnliches Weihnachten gelingen? Eine Pandemie ist ein Schicksalsschlag, den wir weder kennen noch mit ihm umgehen können. Wer erinnert sich schon an die Asiatische Grippe 1957? Je länger es dauert, dem Virus beizukommen, je schmerzlicher wir erfahren müssen, wie beinahe jede Unachtsamkeit, jede Sorglosigkeit dem Erreger ein beachtliches Comeback erlaubt, desto größer wird die Verzweiflung.

Ungeduldig warten wir darauf, endlich wieder alles so tun zu können, wie wir es gewohnt sind: In die Arbeit gehen, in die Schule, an die Uni, ins Theater, ins Kino, ins Konzert, Freunde treffen, ja, auch mal feiern, Einkaufen gehen, nicht nur Lebensmittel. Und Weihnachten sollte doch bitte so sein wie immer, mit Gottesdienst in vollen Kirchen, mit Freunden und Verwandten. Fast alles davon geht nicht. Es ist auch müßig, Schuldige zu suchen. Der Politik bleibt nichts anderes übrig, als die Gesundheit der Bürger zum Maßstab ihres Handelns zu machen. Und die Wissenschaft ist eh nicht für schnelle Lösungen zuständig. Was also kann der oder die Einzelne tun? Wichtig ist, sich umfassend aus unabhängigen Quellen zu informieren, ruhig Blut zu bewahren und sich nicht manipulieren zu lassen.

Geduld - Quelle von Kraft und Zuversicht
Wer kann, sollte zudem jede Gelegenheit nutzen, anderen zu helfen und Situationen vermeiden, in denen er/sie gefährdeten Menschen durch eine Ansteckung schaden könnte. Am wichtigsten aber ist eben Geduld. Sie ist quasi die Königsdisziplin, denn sie erfordert große Disziplin, das ehrliche Nachdenken über sich selbst und die Vergewisserung, sie nicht mit inhaltsleerem Fatalismus zu verwechseln. Gelingt das, wird Geduld zur Quelle von Kraft und Zuversicht. Wer Geduld hat, zeigt Stärke, mit der auch eine langanhaltende schwere Zeit verletzungsfrei durchzustehen ist. Und in dieser Zeit wächst die Fähigkeit, Verantwortung für das Leben "danach" zu übernehmen, wenn wieder alles möglich sein wird, aber vieles vielleicht nicht mehr nötig.

Zu einem gewohnten Leben zurückzukehren heißt nicht, alle Gewohnheiten von früher wieder aufzunehmen. Uns gegenseitig diese Geduld zu zeigen, wird uns eng verbinden mit unseren Liebsten und vielen anderen Menschen. So wächst Optimismus, und wir sind in der Lage, Weihnachten mit seiner ungemein positiven Botschaft im Wortsinn besinnlich begehen zu können. Wir werden gestärkt in die Zukunft schauen und auch Rückschläge aushalten, bevor das zurückkommt, was wir so arg vermissen.

Manfred Sauerer - Mittelbayerische Zeitung


Quelle: OTS / Foto: Rike/pixelio.de

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